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Wie aus Bürgern Radiomacher werden

Radio Melibokus – Im November ist der Sender zum fünften Mal zu hören

Eine eigene Radiosendung moderieren, Nachrichten sprechen, O-Töne schneiden und Sendungen produzieren – Arnd May (43) aus Alsbach hat sich seinen Radiotraum erfüllt.  Wenn er im November Nachrichten liest und Studiogäste interviewt, können ihm rund 400 000 Menschen zwischen Weinheim und Seeheim-Jugenheim dabei zuhören. Zumindest, wenn sie ihr Radiogerät auf der Frequenz 92,3 mHz einschalten. Denn Arnd May ist seit fünf Jahren Redakteur und Techniker bei Radio Melibokus, einem Radioprojekt an der Bergstraße, bei dem jeder Bürger mitmachen kann. Seit fünf Jahren geht Radio Melibokus jedes Jahr zehn Tage lang auf Sendung. In diesem Jahr sendet das Bürgerradio vom 6. bis 15. November von seinem Studio im Schuldorf Bergstraße in Seeheim.
Zweimal am Tag werden Nachrichten gesendet, Arnd May ist einer von zehn ehrenamtlichen Radiomachern, die sie vorbereiten und live verlesen. Eine Stunde vor der Sendung muss Arnd May im Sendehaus sein. Denn bevor die Nachrichten gelesen werden, müssen sie erst aus dem Internet abgerufen und bearbeitet werden. Dazu stellt das Schuldorf den Radiomachern einen Computerraum über dem Studio zur Verfügung. Etwa fünf Minuten vor Sendebeginn betritt Arnd May das Studio. „Aber erst, wenn die rote Lampe über der Tür erlischt“, erklärt er. Denn das bedeutet, dass gerade Musik läuft. Ist die rote Lampe an, sind die Mikrophone geöffnet und jedes Geräusch im Studio geht über den Sender. Kurz vor der Nachrichtensendung wird es hektisch. Während Techniker Marius Trepels (17) das letzte Lied der laufenden Sendung startet, ist Schichtwechsel im Studio, müssen Techniker, Moderatoren und Studiogäste wechseln.
Arnd May nimmt in der Sprecherkabine Platz und setzt sich Kopfhörer auf. Durch eine Glasscheibe ist er von seinem Techniker Marco Schleicher (20) getrennt, der hinter einem großen Mischpult sitzt. „Noch dreißig Sekunden“, ruft Marco, dann wird es ernst. Das rote Licht geht an, die Musik wird leiser, Arnd May beginnt mit seinem Text. Nach etwa fünf Minuten signalisiert er Marco Schleicher per Handzeichen, dass die Nachrichten zu Ende sind. Die Musik fährt ab, das Rotlicht geht aus, Arnd May macht Platz für die Studiogäste der nächsten Sendung, die bereits aufgeregt vor dem Studio stehen. „Hat doch gut geklappt“, freut sich Arnd May und setzt sich ins improvisierte Radiocafé des Sendehauses. Zeit zum Ausruhen bleibt ihm nicht: Er bereitet ein Interview mit einem Schlagersänger vor, der am kommenden Tag sein Studiogast sein wird. Außerdem wird er am Abend bei einer Sendung die Technik übernehmen. „Radiomachen ist toll. Man lernt so viele unterschiedliche Leute kennen und hat viel Spaß. Außerdem ist es eine Herausforderung “, sagt er. Die Radiomacher gehen ganz unterschiedlichen Berufen nach: Arnd May ist  Angestellter beim Arbeitsamt, Intendant Helmut Buchholz ist Pfarrer und Religionslehrer, auch Journalisten, Elektriker, Hausfrauen, Schüler, Rentner, Lehrer und Manager gehören zum ehrenamtlichen Team von Radio Melibokus.
So unterschiedlich die Radiomacher sind, so vielseitig ist auch das Programm: Es gibt sozialpolitische Themen, Klassik, Hitparade, Kultur, Lokalkolorit, Magazine, und viel Musik. Eine feste Sendeschiene haben Aspekte rund um Schule. Themen wie Gewaltprävention, Hochbegabung und Ganztagsbetreuung werden hier erörtert. „Die große Bandbreite ist gewollt. Wir wollen uns gezielt vom gängigen Formatradio abgrenzen“, erläutert Intendant Helmut Buchholz. Er hatte vor fünf Jahren die Idee für das Radio-Projekt, das seitdem jährlich unter dem Slogan „Ihre Ohren werden Augen machen“ auf Sendung geht. Dass Hörer gezielt für eine Sendung das Radio einschalten, sei Teil des medienpädagogischen Anspruchs von Radio Melibokus. Presserecht und Grundlagen des Journalismus werden den Radiomachern in Workshops vermittelt, ebenso die Technik. „Jeder kann sich mit seinen Stärken einbringen und sich weiterentwickeln.“ Dieser Grundsatz spiegelt sich auch im Leitungsteam, dem Programmrat, wieder. Die Besetzung der Gruppe ändert sich jedes Jahr, Aufgaben und Zuständigkeiten wechseln. Das ist ein Grund, warum Radio Melibokus kein Verein ist. „Wir wollen in Bewegung bleiben.“ sab

Stichwort: Bürgerradio

Dreizehn Bürgerradios gibt es derzeit in Hessen, fünf davon im Verbreitungsgebiet des Outback. Die Projekte gehen auf eine medienpädagogische Initiative der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zurück, die sich an der Finanzierung beteiligt. Bei Radio Melibokus stellt das evangelische Medienhaus in Frankfurt die technische Ausrüstung zur Verfügung.
Die rund 9000 Euro, die die Deutsche Telekom für die Freischaltung des Senders verlangt, werden mit Spenden von Kommunen, Unternehmen und Privatleuten finanziert. Bürgerradios sind in der Regel nicht kommerzielle Lokalradios und dürfen keine Werbung senden.  

 


   

 

  
           

 

 

 

 

 

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