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Quo vadis Fußball?

         

 

Wir befinden uns im WM-Jahr – alles dreht sich um Fußball, alle freuen sich auf das bundesweite Großereignis. Ende 2005 drückte sich diese Vorfreude allerdings etwas seltsam aus. In den Stadien ging es drunter und drüber, hier flog ein Trommelstock, dort wurde ein Kopfstoß verteilt, woanders ein Fußtritt, ganz andere sprühten Tränengas. Und immer wieder war in diesem Zusammenhang von Hooligans die Rede. Diese massiv zu bekämpfen hat sich die Staatsgewalt schon weit im Vorfeld der WM ganz groß auf die Fahne geschrieben. Manchmal entstand dabei der Eindruck, als fielen sämtliche Fußballfans unter diesen Begriff, als tummelten sich in den Stadien tatsächlich nur gewaltbereite Chaoten, die es mit Schlagstöcken und Tränengas zu bekämpfen galt.

Natürlich gibt es diese Hooligans, mit Fußball haben sie aber nicht wirklich etwas zu tun. Ihr Hobby ist mehr der „Kampfsport“. Dazu verabreden sie sich – gerne im Zusammenhang mit Fußballspielen, was aber kein Muss ist – mit verfeindeten Gruppierungen zu so genannten Wald und Wiese-Events und prügeln sich irgendwo im Grünen. Diese Hools gibt es im weiteren Umfeld der meisten Vereine und noch heftiger auf nationaler Ebene.

Auch unter den „normalen“ Fußballfans gibt es einige Chaoten, die unter Alkoholeinfluss über die Strenge schlagen und hin und wieder Flurschaden anrichten. Die Masse jedoch, die jedes Wochenende die Stadien füllt und in den Kurven ihr Team lautstark unterstützt, hat mit Gewalt überhaupt nichts zu tun. Diese Menschen gehen ihrem Hobby nach, mit Leidenschaft und einer großen Liebe zu ihrem Verein.

Für diese Menschen hat sich die Fußballwelt verändert, seit Deutschland im WM-Fieber ist. Die Stadien verwandelten sich in Hochsicherheitstrakte mit Absperrgittern, ständigen Körperkontrollen, hoher Polizeipräsenz und zahlreichen schwer nachvollziehbaren Einsätzen der Staatsgewalt. Oft schien es, als würden die Einheiten den Ernstfall proben, den Ansturm der internationalen Hooligans auf die WM. Nur: Die Übungspartner wollten eigentlich nur Fußball erleben. Im vergangenen Jahr führte schon öffentliches Pinkeln in Stadionnähe zum bundesweiten Stadionverbot für Jahre – das Schlimmste, was man einem leidenschaftlichen Fußballfan antun kann. Zahlreiche Vorkommnisse dieser Art, über die ganze Republik verteilt, führte bereits zu einer gemeinsamen und absolut friedlichen Demo der Fans fast aller deutschen Vereine, gegen Polizeigewalt und den Deutschen Fußballbund. „Fußballfans sind keine Verbrecher“ lautete die Parole am DFB-Standort Frankfurt. Aber es machte nicht den Eindruck, als habe sie jemand gehört.

Vorfreude auf die WM ist in diesen Fankreisen inzwischen kaum mehr vorhanden, vielmehr die Hoffnung, dass dieses Spektakel baldmöglichst wieder vorbei ist und die Normalität in die Stadien zurückkehrt. Eine Normalität ohne Hooliganphobie, ohne Totalkommerzialisierung und von amerikanischen Bulettenbrätern präsentierten Anstößen, ohne Diskussionen über Rauchverbot in den Stadien, weil ein Feuerzeug ein Wurfgeschoss sein könnte, ohne Vorgaben, preisgünstige Stehplätze abzuschaffen, weil die Masse sich im Sitzen ruhiger verhält und vor allem ohne diese ständige Pauschalkriminalisierung, weil man ein Vereinstrikot trägt.

Denn Fußballfans sind wirkliche keine Verbrecher, sondern der zwölfte Mann, der den Verein durch den Kauf von Eintrittskarten und Merchandising mitfinanziert. Ohne diese Fans würde die Atmosphäre in den Stadien gewaltig nachlassen, der Fußball seinen besonderen Reiz verlieren. Denn zum Fußball gehören Emotionen einfach dazu, im positiven wie im negativen Sinn. Dass diese derzeit immer wieder überkochen, hängt vielleicht mit all den unangenehmen Begleiterscheinungen der Vor-WM-Zeit zusammen. „Ihr macht uns unseren Sport kaputt“ – lautete bei der Demo ein Vorwurf der Fans an den DFB. Hin und wieder scheint es tatsächlich so, als hätten die Funktionäre und ihre Handlanger den Fußball und ihre eigentliche Zielgruppe tatsächliche etwas aus den Augen verloren.

 

 

 

 

 

   

 

  
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