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Petra und die Erben - Haimat ruft!

Hessens erste und bislang einzige wowoetische Combo hat das Ziel Musikantenstadl

Rein musikalisch gesehen könnte man sich die Combo „Petra und die Erben“ problemlos auf der Bühne des Musikantenstadl verstellen. Zu ihrer Musik lässt es sich prima schunkeln, klatschen und mitsingen. Bei den Texten – zumindest beim genaueren Hinhören - könnte Karl Moik allerdings Bedenken äußern: Möglicherweise zu intelligent für sein Stamm-Klientel. Denn bei „Petra und die Erben“ handelt es sich um Hessens erste und bislang einzige Wowo-Combo. Das eröffnet gleich die Frage: Wowo? Was ist das? Ganz einfach: Wowo ist die Frage auf die Antwort Dada! Alles klar?

Vermutlich eher nicht! Dada, beziehungsweise Dadaismus ist die Bezeichnung für die literarisch-künstlerische Bewegung nach dem ersten Weltkrieg, die bewusste Sinnentfremdung pflegte. Und Wowo ist gewissermaßen die Fortsetzung. Geprägt wurde der Begriff von Friedhelm Kändler 1989 in Hannover, in der Pause eines Dada-Programms. Ein Journalist fragte damals, warum in der heutigen Zeit noch Dada gemacht werde – worauf Friedhelm Kändler etwas entnervt antwortete: „Das ist kein Dada, das ist Wowo!“ Die Presse trug diesen Begriff in die Welt und Wowo wurde zur Frage auf die Antwort Dada. Friedhelm Kändler, der Fragensteller, machte Wowo zum Markenbegriff für sein poetisches Schaffen und war fortan nicht nur Kabarettist, Dichter; Schriftsteller, Conferencier, Vortragskünstler, Sänger und Philosoph, sondern auch Wowoet. Zu Hause ist er in Hannover an seinem Schreibtisch und auf den kleinen Bühnen der ganzen Republik. Seinem Publikum serviert er skurrile Gedanken und Geschichten, die er aus dem Leben greift. Mit Freude spielt und jongliert er mit Worten und ihrem Klang und nicht zuletzt natürlich mit den Gedanken, oft anarchisch, manchmal philosophisch, aber immer brillant und witzig - in gewisser Weise eine Mixtur aus Dadaismus und Heinz Ehrhardt.

Zu Kändlers größten Fans gehören die Chansonette und Jazzsängerin Petra Bassus, der Pianist Roland Erben, Tom Rahn, Frontmann, Sänger und Gitarrist der Bluesrockband „Nuthin’ But“ und Reyno Meyer, Bassist unter anderem bei „Blue Label, und „Three Cool Cat“ – alle miteinander aus dem Darmstädter Raum. Zusammen sind sie die Wowo-Combo „Petra und die Erben“ und verpassen Kändler-Texten Musikantenstadl-kompatible Melodien. „Haimat ruft!“ heißt das wowoetische Stadl des Quartetts und Karl Moik wäre entzückt, wenn er hörte, wie Petra Bassus im Dirndl die Wichtigkeit und Schönheit der Heimat beschwärmt - was dann jedoch in der Empfehlung mündet, besser wegzuziehen und die Heimat aus der Ferne zu lieben. Tom Rahm in weißem Anzug mit Panamahut fordert seine Mutter auf: Halt den Hammer fest und hammer fest beim Hammerfest in Hammerfest.

Von der christlichen Seefahrt singt Reyno Meyer und antwortet seiner Seemannsbraut Mary auf „Marrie me! mit „Mary-Ne!“, sein Herz gehört schließlich der Marine. Barbarisch geht es zu in Barbaras Bar, in der Geisterbahn winkt Frankenstein mit dem Krankenschein, der wilde Widder treibt sich bei Gewitter im Wald herum und Loreley erscheint mit Lackmütze als Sirenerin – wenn Petra nicht gerade jodelt oder „Senil am Nil“ vorbei am Flusspferd über den Fluss fährt und dabei orientalisch die Hüften kreisen lässt. Mal singt die Chansonette alleine, mal im Duett mit einem der Herren, die wiederum auch solo zu hören sind - oder alle zusammen bilden einen Chor. Roland Erben spielt neben Klavier auch Akkordeon und Melodica – selbst Schneebesen und Löffel werden zu Instrumenten

Ob Blues, Chanson, Schlager, Jazz oder Punk – die Melodien sind eingängig und klingen vertraut. Der Tourist unter der Sonne von Mexiko zum Beispiel erinnert gewaltig an die „Rote Sonne von Barbados“, die seit mindestens 20 Jahren zum Stammrepertoire sämtlicher Dorffest-Schmachtfetzen-Cover-Bands gehört. Zwischen den Liedern gibt es Verse, von Friedhelm Kändler natürlich, und mit tiefschürfenden Inhalten wie „Else war ein Rübenacker, auf ihr stand ein Schaufelbagger“ oder Einblicken in das Seelenleben eines aufgetauten Möhreneintopfs.

Auf CD gibt es diese geniale Combo leider noch nicht, lediglich ein Demo-Scheibchen mit sechs Pralinchen aus der großen Wowo-Revue-Torte ist an potentielle Veranstalter unterwegs. Auch an Karl Moik soll eine  dressiert sein. Schaun mer mal, ob’s was wird mit dem Wowoeten-Stadl im Musikanten-Stadl. Oder ob die Texte tatsächlich zu intelligent und die Reime zu verzwickt sind für Moiks Herz-Schmerz-Liebe-Triebe-Schunkel-Publikum.

Infos gibt es über das „Bureau für Nichts & soweiter“, Peter Edelmann, Tel. 06157 157010; Booking & Kontakt: Herzkasper Musikagentur, Christa Brinkmann, Tel. 06151 56594, Mail: cb@haimaat.de, www.haimaat.de

Nicht nur die Bewundern des Hannoveraner Wortverwirbler Friedhelm Kändler, sondern auch langjährige Freundschaft verbinden „Petra und die Erben“ mit dem Pfungstädter Kröhlmann-Theater. Auf der Internetseite des Theater www.kroehlmann.de gibt es Infos zur Combo und auch einige Lieder zum Herunterladen.

„Wir glauben, dass wir mit dem Älterwerden klüger werden. Das ist ein Irrtum. Älterwerden bedeutet nicht, dass wir klüger werden. Es bedeutet, dass wir zu uns finden. Das schließt ein Dümmerwerden nicht aus.“
(Friedhelm Kändler: Das wowoetische Manifest.)

 

 

 

     

 

  
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