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Alle lieben Attila

Maskottchen, Jäger und Flugkünstler und beliebtester Vogel Hessens

Süß ist sicher nicht das richtige Adjektiv für einen stolzen Steinadler, aber irgendwie ist er schon ein goldiger Kerl, dieser Attila. Und unglaublich cool ist er. Muss er ja auch sein für seinen besonderes Ehrenamt als Maskottchen des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Denn wenn er diesen Job vor Ort ausführt, sind schon mal 100.000 Augen auf ihn gerichtet. Wie cool er tatsächlich ist, bewies er bei seinem ersten Liveauftritt im Waldstadion, in der Hinrunde beim fulminanten Spiel gegen Köln, das 6:3 für die Frankfurter endete. Das Stadion bebte, die Massen tobten – und Attila pennte ganz entspannt ein wenig vor sich hin.
Der Stadiontrubel mache ihm überhaupt nichts aus, bestätigte sein Chef, der Falkner Norbert Lawitschka. Die Akustik störe ihn nicht, das Gehör ist bei diesen Vögeln nicht so stark ausgeprägt. Lediglich grelle Farben könnten seine Adleraugen beunruhigen, aber diese sind in der schwarz-roten Kulisse ja nicht zu erwarten. In der Rückrunde wird Attila bei annähernd jedem Heimspiel anwesend sein und seinem Team Glück bringen. Und die Fans werden ihn dafür lieben. Aber das tun sie jetzt schon, ganze Fanbusse fahren in Klein-Auheim vor, um Attila im Wildpark zu besuchen.
Er ist noch ein Jungspund, dieser majestätische Vogel mit den knapp zwei Metern Flügelspannweite. Im kommenden Mai wird er zwei Jahre alt. Als kleines Küken kam er zu Norbert Lawitschka, aus einer Zucht in Coburg. Seitdem lebt und arbeitet er mit seinem Falkner. Wenn er nicht gerade der Eintracht Glück bringt, zeigt er bei Flugschauen sein Können oder geht auf die Jagd nach Karnickeln. Norbert Lawitschka ist seit 1970 Falkner und Jäger, seit 1990 züchtet er Falken und Habichte und bildet sie zur Jagd aus. Zu seinen rund 40 Vögeln gehören neben sämtlichen Arten dieser Gattungen auch wunderschöne Uhus mit leuchtend orangefarbenen Augen - und Attila, der Steinadler, derzeit wohl der beliebteste Vogel Hessens.
Ein Teil der Vögel lebt in der Falknerei im Wildpark, die meisten bei Norbert Lawitschka in Kleinkahl. Das heißt für den Falkner, dass er jeden Tag – auch während der Wintermonate, wenn keine täglichen Flugschauen auf dem Programm stehen – zum Füttern nach Klein-Auheim fährt. Verfüttert werden überwiegend Eintagsküken, rund 200 Stück täglich. Zehn bis zwölf futtert alleine Attila jeden Tag weg. Die bekommt er aber nur, wenn an diesem Tag nicht die Jagd auf dem Plan steht – denn ein satter Adler jagt nicht gerne. Absolut ungern schaut Attila den anderen beim Futtern zu und seine dann erklingenden Bettelrufe erinnern schon ein wenig an ein unzufriedenes Baby. Was er auch nicht mag, ist angefasst zu werden. Das darf nur sein Chef. Erlaubt der das tatsächlich einmal anderen Menschen, straft Attila diese mit bösen Blicken ab und ist schwer beleidigt.
Während die gezüchteten und ausgebildeten Falken von Norbert Lawitschka auch verkauft werden, ob in die Länder der EU, nach Saudi-Arabien oder Vereinigten Arabischen Emirate, wird Attila mit Sicherheit bei ihm bleiben. Der Falkner denkt sogar weiter, an einen zweiten Adler, ein Weibchen und damit die Begründung einer Steinadlerzucht. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zum einen werden die Küken nicht so häufig zum Kauf angeboten, zum anderen haben sie auch ihren Preis- ungefähr den eines Klein- bis Mittelklassewagens. Außerdem hat Attila auch noch ein wenig Zeit mit dem Eheleben, erst mit sechs Jahren ist er geschlechtsreif. Und so was muss ja auch gut überlegt sein, denn der König der Lüfte, der ursprünglich in den Alpen zu Hause ist, pflegt die lebenslange Einehe. Und das kann ganz schön lang sein. In freier Wildbahn werden Steinadler rund 20 Jahre alt, wenn sie von Menschen umsorgt werden – wie Attila – können sie 50 Jahre werden.

Falkenzucht-Vorspessart, Norbert Lawitschka, Kleinkahl, Tel. 06024 5955, Fax 06024 633787, mobil: 0171 6942400, www.falkenzucht.de, Mail: info@falkenzucht.de, Flugschauen in der Wintersaison: Samstag 15 Uhr, Sonntag 12 und 15 Uhr, Montag bis Freitag nur nach Vereinbarung, Erwachsene zahlen für die einstündige Schau 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro.

Wo Elche, Polarfüchse und Attila zu Hause sind

Wild- und Erlebnispark Alte Fasanerie im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim

Freundlich grunzende Wildschweine in allen Größen kommen an den Zaun und erbetteln sich Futter und ebenso zutraulich sind all die anderen Tiere im Wildpark „Alte Fasanerie“ Hanauer Stadtteil Klein-Auheim. Zumindest diejenigen, die gefüttert werden dürfen. Die Elche zeigen sich eher reserviert und werfen einen müden Blick auf die Besucher – bei ihnen ist das Füttern verboten, zu gefährlich. In der Wintersonne dösen die Polarwölfe, Rot- und Damwild ist aus der Nähe zu beobachten, ebenso Wisente, Luchse, Auerochsen, Waschbären und Füchse – sämtliche Tiere, die in deutschen Wäldern zu Hause sind. Dazu noch Tiere des Bauernhofs wie Ziegen, Schafe, Schweine, Esel und Geflügel, natürlich sind auch Waldvögel, Pfauen und Kraniche auf dem weitläufigen Gelände zu finden und im Jahresablauf, von der Brunft bis zu den Jungtieren, zu beobachten. Er ist eine wahre Naturidylle, dieser weitläufige Park, auch wenn im Winter die Nähe der Autobahn akustisch durch die unbelaubten Bäume dringt.
Der staatliche Wildpark „Alte Fasanerie“ ist eine Einrichtung des Landes Hessen und wird vom Hessischen Forstamt Hanau-Wolfgang betrieben. Im Jahre 1710 ließ der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn in der „Unteren Fasanerie“ das Jagdhaus (heute eine Gaststätte) mit einer 38 Hektar umfassenden Fasanerie errichten. 1750 wurde durch den Erzbischof Karl Friedrich von Ostein die südlich gelegene „Obere Fasanerie“ mit 107 Hektar erschlossen und mit einer 3800 Meter langen Bruchsteinmauer umgrenzt. 1803 ging das Wiesengelände in den Besitz der Großherzöge von Hessen-Darmstadt über, die es mit Kiefern und Eichen aufforsten ließen und den Park bis zum Ende des ersten Weltkrieges als Hofjagdrevier nutzten. Am 11. Januar 1967 wurde die mittlerweile in das Eigentum des Landes Hessen übergegangene "Obere Fasanerie" auf Initiative der Gemeinde Klein-Auheim der Öffentlichkeit als Wildpark zugänglich gemacht. Kleinere Dam- und Schwarzwildgatter bildeten den Anfang, bis die Hessische Landesforstverwaltung ab dem Jahr 1970 den systematischen und kontinuierlichen Ausbau des Wildparks in Angriff nahm. Wanderwege von 15 Kilometern Länge können im Wildpark zurückgelegt werden. Ruhebänke für Rast oder Picknick sowie Schutzhütten sind über den ganzen Park verteilt.
Der Barfußlehrpfad, das Forstmuseum mit Waldbühne, ein Informationszentrum, das keltische Baumhoroskop sowie weitere, eigenständige Highlights wie die Hochseilgarten und natürlich die Falknerei mit ihren regelmäßigen Greifvogel-Flugschauen machen diesen Park zu einem lohnenden Ausflugsziel für die ganze Familie. Dem Jahreskalender der Internetseite ist zu entnehmen, wann Paarungszeiten der einzelnen Rassen sind – und wann der Nachwuchs zu bestaunen ist. Den eigenen Nachwuchs sollte man am Eingang unbedingt mit einer Futtertüte ausstatten, damit die freundlichen Wildschweine nicht enttäuscht sind. Für den menschlichen Hunger empfiehlt sich da Restaurant „Jagdhaus“ mit guter Küche, freundlichem Service und moderaten Preisen.

Wildpark Alte Fasanerie, Fasaneriestraße, Hanau/Klein-Auheim, Info-Zentrum, Tel. 06181 690676, Wildpark und Forstmuseum, Tel. 06181 69191, Internet: www.erlebnis-wildpark.de, Öffnungszeiten bis Ende März: werktags 9 bis 16 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 9 bis 17 Uhr (April bis September täglich von 9 bis 18 Uhr), Eintrittspreise: Erwachsene 3,50 Euro, Kinder ab vier Jahren und ermäßigt 2 Euro.

     

 

 

 

  
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